Ecuador II: Cuenca – Quito
Geschrieben am 5. April 2011 von christian.
Donnerstag, 23.03.2011: Cuenca – Canar, sonnig, 22-28Grad
Nachdem Gerard uns verabschiedet hat und aus dem Haus ist, machen auch wir uns fertig. Natürlich lassen wir uns Zeit und es wird fast 11.00Uhr als wir aufbrechen. Wir finden gut raus aus der Stadt,nehmen die Autopista, was aber absolut stressfrei ist. Nach einer Weile treffen wir auf die ersten Radfahrer seit wir in Nordperu vor fast zwei Wochen gestartet sind. Ein holländisches Paar, dass in Alaska vor 2Jahren gestartet ist. Es gibt natürlich viel zu erzählen, jeder ist für den ein oder anderen Tipp dankbar. So erfahren wir, dass man z.b. in Canar problemlos bei den Bomberos (Feuerwehr) übernachten kann. Damit steht unser heutiges Etappenziel fest. Natürlich gehts mal wieder richtig schön bergauf, 1.000Höhenmeter am Stück. Zum Glück aber bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein. Am späten Vormittag haben wir uns auf ca. 3.500m hochgetrampelt. Zu dieser Zeit liegt hier oben mal wieder alles im Nebel, die Temperaturen gehen auf 8Grad zurück. So bibbern wir uns die Abfahrt nach Canar runter und rollen bei den Bomberos vor.
Natürlich können wir hier bleiben, dürfen uns sogar die Örtlichkeiten zum Schlafen aussuchen, können duschen und die Küche benutzen – alles gratis. Auf jeden Fall werden wir hier in Ecuador weiterhin in Zukunft bei den Bomberos anfragen..
Die Jungs hier erzählen natürlich, dass auch letzte Nacht Radler hier waren – „Die Holländer, na klar die kennen wir!!“
73km , 5.20h , 1.425hm
Freitag, 25.03.2011: Canar – Chunchi,wechselhaft , 15-27Grad
Die Nacht war ruhig, einzig die wohl im Zelt restlich verbliebenen Flöhe scheinen noch am Leben zu sein, zumindest juckt es an der einen oder anderen Stelle.Nach dem Frühstück werden wir verabschiedet. Als wir gerade aus der Stadt rausfahren kommen uns noch 2Feuerwehrautos entgegen – mit Lichthupe grüssend.Wir lassen es ruhig angehen. Die Anstiege sind relativ moderat, bei den Temperaturen gut zu meistern. In Zhud machen wir eine kurze Pause. Zwischen Essbuden mit komplett Schwein-am-Spiess nehmen wir Platz, immer bemüht diesen Anblick aus den Augenwinkeln zu bekommen. Die Schweine werden komplett als Ganzes gegrillt und wir haben den Eindruck, dass die auch komplett verspeist werden. Neben dem Meerschweinchen am Spiess (Cuy) eine Spezialität hier, die wir nicht unbedingt probieren wollen. Es geht mal wieder durch den Nebelwald. Und der macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Als wir oberhalb der Nebelfelder sind ist die Aussicht auf die auf- und abziehenden Nebelschwaden grandios. Dazu kommt stetig leichter Regen. Alles schön anzuschauen aber permanent in dieser „dicken Suppe“ zu wohnen, nein darauf hätten wir keine Lust. Am Nachmittag erreichen wir relativ durchnässt unser Tagesziel, Chunchi. Wieder fragen wir bei den Bomberos an und haben mal wieder Glück. Im Fittnessraum schlagen wir unser Zelt auf. Wir erkunden die Stadt, welche einen guten Eindruck auf uns macht, und kochen in unseren Domizil unser Essen.
Schon heute sind wir gespannt, ob wir morgen wieder bei den Bomberos unterkommen..
73km , 4:30h , 1.061hm
Samstag, 26.03.2011: Chunchi – Guamote,wechselhaft – meist Regen , 8-25Grad
Mal wieder früh kommen wir um 8.30Uhr los. Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese miesen Flöhe immer noch irgendwo schlummern. Jedes Mal wenn es nachts juckt, mache ich die Taschenlampe an und kontrolliere schon fast panisch.
Wir rollen ein wunderschönes Tal entlang, natürlich auch wieder auf und ab. Faszinierend sind die Ackerflächen, die an den schrägsten Berghängen angelegt wurden. Mit Maschinen zu bearbeiten – keine Chance! Hier wird noch mit dem Ochsen und dem Holzpflug gearbeitet.
Früh am Mittag erreichen wir Alausi, aus Mangel an Möglichkeiten machen wir nur eine Kekspause, da fängt es auch schon wieder mal zu regnen an. Als wir wieder losfahren kommt es ganz Dicke – nämlich richtig steil bergauf. Auf kürzester Strecke schrubben wir gute Höhenmeter. Teilweise ist es so steil, dass Jennie schiebt, was nun auch nicht einfacher ist. Ein stetiger Wechsel von Regen, Nebel, Sonne zerrt am Gemüt und der Laune. Zu guter letzt erreichen wir irgendwann die scheinbare Passhöhe nach über 1.000hm am Stück. Völlig durchnässt gehts bergab. Am Nachmittag in Palmira stoppen wir , Jennie möchte am liebsten hier bleiben. Der Ort scheint trostlos, ich dränge zur Weiterfahrt auf die letzten (letztendlich fast 20km) bis nach Guamote und kann das Feuer in der nun wutentbrannten Jennie entflammen. Sie prescht voraus, so dass ich kaum hinterherkomme. Zum Glück kommen keine anstrengenden Anstiege, jedoch kommt das Wasser von oben und von unten.
Klitschnass und völlig durchgefroren erreichen wir Guamote. Natürlich suchen wir die Bomberos auf. Hier müssen wir die Jungs erst wecken. Der eine von beiden fragt schon von selbst, ob wir hier schlafen wollen. Wir dürfen 2 der Betten im „Schlafsaal“ beziehen, dürfen duschen, ich putze die Räder und wir können die Küche benutzen. Perfekt! So hat dieser mit über 2.000Höhenmetern überaus anstrengende Tag wieder ein gutes Ende genommen.
Zusammen mit den beiden Bomberos liegen wir abends in unseren Betten und gucken amerikanische Feuerwehrfilme und Kung-Fu-Filme mit Jacki Chan.
Nachts ist richtig was los hier. Erst müssen die beiden bei einem Autounfall raus. Kaum wieder zurück gehts zum nächsten Einsatz – bei einer Hochzeitsgesellschaft haben 20 Gäste eine Lebensmittelvergitung erlitten. Da gibt es wohl auch Einheimische, die das Essen hier nicht vertragen…
83km, 6:40h, 2.036hm
Sontag, 27.03.2011: Guamote – Riobamba,sonnig , 15-27Grad
Heute wollen wir nach Riobamba, direkt am Fusse des Chimborazzo (der höchste Berg Ecuadors)gelegen. Nach der Tortour gestern sind es heute nur noch ca. 50km und ein moderates Höhenprofil. Wir packen unsere Sachen – natürlich ist alles von gestern noch klitschnass, besonders unangenehm sind die Schuhe.
Wir kommen gut voran, erst kurz vor Riobamba gehts es bergab, von ca. 3.200m Höhe auf ca. 2.600m. Leider ist der Himmel zu bewölkt, um den Chimborazo zu sehen.
Als wir im Ort an einer Kreuzung stehen, winkt uns von weitem ein Mann zu und kommt zu uns herüber. Ich freue mich schon, denke dass der Typ und vielleicht zu sich nach Hause einladen möchte. Er ist aber Reporter einer Zeitung und möchte ein Interview mit uns machen. Ok soll er haben. Am Montag soll der Artikel in der Zeitung stehen. Dass wir uns morgen die Zeitung kaufen werden versteht sich ja von selbst.
In der Stadt essen wir irgendwo etwas und begeben uns dann auf die Suche nach einer Unterkunft. Bomberos oder ähnliche möchten wir heute nicht aufsuchen, da zum einen wir meinen, dass das eher in kleineren Städten einfacher ist, zum anderen wollen wir Wäsche waschen. Wir finden ein nettes Hostal, mit 10$ pro Peson nicht ganz billig, aber es gefällt uns super, wir haben Internet, dürfen waschen und haben eine Küche.
Wir besichtigen die Stadt, die mit ihren zahllosen Kirchen, Plätzen und sonst schönen Gebäuen z.b. Cuenca (sh. Montag – Donnerstag) in nichts nachsteht. Wir können sogar den Chimborazzo erkennen, wollen ihn aber morgen ganz früh vor wolkenfreiem Himmel erleben.
57km , 3:40h , 505hm
Montag, 28.03.2011: Riobamba – Banos, sonnig , 20-27Grad
Heute wird es wohl nichts mit Chimborazzo angucken denn der Himmel ist wolkenverhangen. Zum Glück sind wir nicht in aller Herr-Gotts-Frühe aufgestanden. Im Hostal treffen wir auf Jeff (USA) und seine Frau aus Japan. Die beiden sind auch seit letztem Jahr im Juni unterwegs, jedoch als Backpacker. Sie kommen von Richtung Norden , d.h. es gibt wieder viel zu erzählen einschliesslich der guten Tipps. Ein wenig vergesse ich die Zeit, so sind wir ins Gespräch vertieft. Als Jennie dann anfängt, Druck zu machen ist es schon bald Mittag – also los! Natürlich fahren wir noch schnell beim Zeitungskiosk vorbei um die Zeitung zu kaufen. Und siehe da, der Typ hatte nicht gescherzt. Wir sind drin! Zwar nicht auf der Hauptseite aber eine Seite hinter einem Artikel mit Hugo Chavez – also geht doch!
Wir machen noch schnell Brot-Mittagspause vor einem Supermarkt bis es endlich in Richtung Banos losgeht. Die Strasse ist gut, der Vekehr übersichtlich. Wir wählen den Direktweg und der wird zum Erlebnis. Beim letzen Ausbruch des Vulkans Tungurahua (südlich von Banos) gab es unvorstellbare Mengen an Asche und Schlamm. Die Strasse und das Flusstal des Rio Chambo wurden dabei weitläufig verschüttet. Der Ausbruch war so heftig, dass über Banos ca. ½ Jahr eine Aschewolke stand (zumindest wurde es uns so in Banos berichtet). Die Strasse umgeleitet ist aber nicht mehr asphaltiert. Trotzdem eine Leistung, da die Ausmaße noch heute unvorstellbar sind. Durch sämtliche Zuläufe zum Tal ergoss sich diese Schlammwalze. Mittlerweile wurde auch dies soweit hergerichtet, dass zumindest das Wasser wieder ungehindert fließen kann. Positiver Nebeneffekt der provisorischen Strasse für uns ist, dass der Hauptverkehr jetzt über Ambato geht.
Banos ist eine Touristenhochburg, scheint auf keiner To-Do-Liste für den Ecuador-Urlaub zu fehlen. Mindestens genau so viele Hostels, Hotel etc wie Touristen gibt es hier. Trotzdem gefällt uns der Ort relativ gut. Wir versuchen es mal wieder bei den Bomberos, eigentlich ohne grosse Motivation, da aufgrund der zahlreichen Übernachtungsmöglicheiten im Ort das Preisniveau eher tief ist. Aber wir dürfen bleiben, bekommen sogar ein Zimmer mit Doppelbett, haben Dusche und Küche. Essen dürfen wir im Aufenthaltsraum. Dazu sind die Leute hier supernett. Abends setzt sich noch der Einsatzleiter zu uns und es wird ein langer und informativer Abend.
62km, 4:00h , 700hm
Dienstag, 29.03.2011: Banos – Puyo , Sonne. Regen, Sonne , 20-30Grad
Da bei der Feuerwehr auch eine kleine Werkstatt ist, nutze ich die Gelegenheit, noch die Räder zu warten. Dann werden wir verabschiedet – ohne Frage diese Unterkunft ist die Beste bei Bomberos, die wir bis jetzt hatten!
Wir fahren noch in die Stadt zum Brot kaufen. Eines was uns hier, wie auch in gesamt Südamerika, garnicht gefällt ist,dass irgendwelche Auswanderer , sei es aus Deutschland, Schweiz oder ähnliches, die sich hier niederlassen, sich die einfallsreichsten Namen ihrer Einrichtungen und Lokale einfallen lassen. So gibt es das Hotel „Haus Düsseldorf“, ca. 100.000Restaurants „El Aleman“ (der Deutsche) oder „El Suizo“ (der Schweizer). Zumindest gibt es beim Bäcker das angekündigte „Schwarzbrot“ nicht!
Wir radeln ein wundervolles Tal hinuntet von 1.800m auf ca. 900m bis nach Puyo. Die Strecke wird auch Ruta de las Cascadas (Wasserfallroute) genannt. Weiterhin nähern wir uns dem Amazonas-Dschungel mit dem dementsprechendem Wetter. Bei einem Regenschauer werden wir nass bis auf die Haut – aber bei den Temperaturen kein Problem – bis auf die Schuhe, die schon seit Tagen nicht mehr trocken werden und deren Duft alles andere als betörend ist.
Die Strecke ist gut angelegt, ist als Fahrradroute ausgeschildert. In Puyo angekommen erleben wir den krassen Gegensatz zu Banos. Zum einen scheint diese Stadt am Dschungelrand absolut chaotisch und unstrukturiert. Ich nehme an, dass wohl vor 20-30Jahren Puyo ein kleines Dörfchen war und nun aus allen Nähten platzt. Wir machen uns auf die beschwerliche Suche, eine Cafeteria zu finden, was uns auf Nachfrage auch irgendwann glückt. Dann gehts zur Suche nach einem Schlafplatz. Die Bomberos liegen relativ ausserhalb. Wir müssen eine kleine Weile warten bis der Chef kommt. Dieser sagt uns einen Platz zu. Klingt gut – ABER – wir warten noch geschlagene 2-3 Stunden und nichts passiert. Wir sitzen da, der Typ läuft hin und her und macht und tut. Als es mittlerweile Dunkel ist platzt Jennie der Kragen: „Senor, wo können wir denn schlafen?“. Entweder hat der uns vergessen oder eher ignoriert. Wir dürfen den Essenraum in Anspruch nehmen und unser Zelt aufbauen. Soweit so gut, auf Anfrage können wir auch die Küche und das Bad nutzen. Aber die Atmosphäre ist alles andere als herzlich. Wir erwarten ja nicht, dass wir hier 4Sternemässig behandelt werden bzw.9 wenn es den Leuten nicht passt, dann kann man uns ja abweisen – ist ja kein Hotel. Aber zusagen und dann wie Luft behandeln, das haben wir auch nicht nötig!
70km , 4:15h , 500hm
Mittwoch, 30.03.2011: Puyo – Tena , heiter bis bewölkt, am Nachmittag Regen – sehr schwül , 22-34Grad
Beim Aufstehen um 6.30Uhr wird draussen schon wild gewuselt. Die putzen um diese Zeit die Autos! Von ca. 8Leuten begrüsst uns gerade einmal einer. Ich will hier nur noch weg, woanders frühstücken!
Wir „bedanken“ uns für alles und ab in die Stadt. Hier müssen wir noch warten bis der Supermarkt aufmacht.
Schon am Morgen ist die Luft sehr warm und feucht. Zum Glück ist der Himmel bedeckt und die Sonne kommt nicht durch. So halten sich die Temperaturen mit maximal 34Grad in Grenzen. Zwar wurde hier in den Dschungel eine relativ breite Strasse asphaltiert aber das Dschungel-Feeling kommt auf. Links und rechts ist alles grün, obwohl viel gerodet wurde. Dazu Blumen in allen Farben und unbeschreiblich laute Vogel- und Insektengesänge . Farne, Bananenbäume, Palmen, Orchideen – und weitere unzähliges Grün. Ebenso hält sich erfreulicherweise der Müll am Strassenrand in Grenzen.
Das Streckenprofil ist hügelig, die Anstiege kurz uns moderat und wir kommen gut voran. Den Nachmittagsregen jedoch erleben wir noch unterwegs. Als wir die Stadt auf circa 500m Höhe erreichen scheint sie angenehmer als Puyo. Wir gönnen uns ein Eis, kommen mit einer Mainzer Familie ins Gespräch, die wir schon vom Sehen in Cuenca kennen und machen uns wie gewohnt auf den Weg zu den Bomberos. Hier „empfängt“ man uns sehr herzlich. Der Chef und seine Mannschaft sind das absolute Gegenteil von seinen Kollegen in Puyo.
Glücklich darüber erkunden wir die Stadt, sie bildet den Ausgangspunkt zu Dschungeltouren in den Amazonas. Dies erleben wir auch selbst, da die Touranbieter natürlich auch uns nerven.
87km, 5:02h, 830hm
Donnerstag, 31.03.2011: Tena – 30km vor Baeza , sehr wechselhaft, 14 – 30Grad
Bei den Bomberos werden wir herzlich verabschiedet. Wir lassen uns heute Zeit , da wir wissen, dass es bis Baeza noch richtig bergauf mit über 2.000Höhenmetern gehen soll. Nach circa 10km machen wir an einer Hosteria eine regenbedingte Kaffeepause. Wir bestellen Kaffee con Leche – und was bekommen wir? Ein komplettes Frühstück! Naja egal, guter Zeitvertreib während des Regens und Hunger haben wir eh immer.
Seit Tena mit vielleicht 500m Höhe geht es wieder in die Berge. Um die nächsten Tage nach Quito zu kommen, wo wir endlich mal wieder Pause machen müssen, gibts noch 2 Pässe mit circa 2.500m bzw. 4.070m Höhe zu überwinden.
Im Unterschied zu den Bergen , die wir hier in Ecuador schon befahren haben, geht es fast ausschliesslich noch bergauf, ohne diese lästigen Abfahrten zwischendurch. Zwar regnet es hin und wieder aber die Temperaturen sind angenehm und die Sonne kommt aufgrund der Bewölkung nicht durch.
Als wir nun so dahinradeln ertönt aus einem Auto hinter uns aus einem Lautsprecher: „Alemania muy bien“(Deutschland – sehr gut!!). Es ist ein Feuerwehrauto der Bomberos aus Tena. Das Auto hält und der Chef fragt uns, ob sie uns mit nach Baeza mitnehmen sollen – sie fahren sowieso dorthin… Oh ein nettes Angebot. Aber Jennie und ich damit auch lehnen dankend ab. Wir sind trotzdem begeistert von dieser Freundlichkeit.
In einem kleinen Dorf fragen wir uns zu einer Tienda (Laden) durch wo wir zu Trinken und Kekse kaufen wollen. Kaum dort angekommen fängt es in Strömen zu regnen an. Zum Glück gibt es hier einen Unterstand, wo wir mal wieder abwarten. Es kommt eine ganze Truppe Schulkinder, die hier ebenfalls Schutz sucht. Wir kommen ins Gespräch, sie fragen 1.000Sachen, wo wir herkämen, wo Deutschland liegt usw. Einer der Jungs bringt uns etwas, was aussieht wie überdimensionale Bohnenstangen und meint wir sollten das Innere essen. Tatsächlich öffnet man die Stangen wie Bohnen, holt die einzelnen Kern heraus. Diese sind mit einem weissen Etwas überzogen, was man essen kann und süss schmeckt. Im Prinzip lutscht man die Kerne ab. Es schmeckt wirklich gut. Den Namen der Frucht können wir uns nicht merken, wissen aber was wir in Zukunft hin und wieder essen könnten.
Obwohl wir stetig bergauf fahren ändert sich die Vegetation um uns herum nicht auffallend. Ich habe eher den Eindruck als wenn es viel grüner bzw. viel wilder wird. Das mag aber daran liegen, dass die tieferen Gebiete stärker bewohnt und dementsprechend schon viel abgeholzt wurde.
Als wir am späten Nachmittag, schon auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz, bei einer älteren Frau in einer Tienda nach einer Schule anfragen (auch in Schulen ist es auf Anfrage möglich zu Zelten), bekommen wir zu hören, dass in ca. 40Minuten eine Schule direkt an der Strasse liegt. Jedoch seien wir mit den Fahrrädern unterwegs, erklären wir ihr. Sie aber beharrt auf ca. 40min Fahrt. Wir denken „Super“ , müssten dann noch im Hellen um ca. 18.00Uhr dort ankommen und radeln los. Es geht bergauf und wir kommen gut voran jedoch sieht nichts um uns herum wie eine nahe Ortschaft aus. Es wird dunkel und wir radeln immer weiter bergauf. Wir sind auf einer kurvigen Gebirgsstrasse unterwegs, dazu noch relativ viel LKW- und Busverkehr. Bald gestresst sehen wir ein, dass wir wohl heute den Ort nicht erreichen. Um ca. 19.00Uhr finden wir am Strassenrand ein relativ sichtgeschütztes Plätzchen, wo wir unser Zelt einschl. Regenschutzplane aus dem Baumarkt aufbauen und von Mosqitos und Motten umschwirrt unser Abendmahl bereiten. Zudem schalten wir bei jedem Fahrzeug, und es sollen viele werden, unsere Lampen aus – man kann ja nie wissen!!
61km , 5:19Std., 1.775hm
Freitag , 01.04.2011: 30km vor Baeza – Papallacta , bewölkt, 10 – 22Grad
Im Gegensatz zu Jennie habe ich super geschlafen. Jennie erzählt mir, dass die ganze Nacht Lkws und Busse unterwegs waren. Da unser Platz direkt an einer S-Kurve liegt, muss hier richtig stark abgebremst werden, was dementsprechend laut ist.
Ohne Frühstück starten wir, hier ist alles nass und sowieso kommt ja bald der Ort von gestern. Nach kurzer Bergauffahrt auf einen 2.500m Pass rollen wir in den Ort und sind nach ca. 30min da. Das heisst wir haben seit gestern nachmittag ca. 2Stunden gebraucht, und nicht 40min!!!
Bald sind wir in Baeza und von dort gehts richtig steil bergauf nach Papallacta, was unser Tagesziel sein soll. Die Anstrengungen der letzten Tage machen sich bemerkbar, bei Jennie ist die Luft raus. Alles tut weh. Jeden Tag diese Anstiege, das zerrt schon etwas. Auch heute sollen es wieder fast 1.800Höhenmeter sein. Als wir endlich in Papallacta ankommen halten wir direkt bei der Polizei und fragen nach Bomberos. Gibt es nicht, aber 2Schulen!Bei der 2ten haben wir Glück, das Tor ist offen und wir fragen bei der hier wohnenden Familie nach Zeltmöglichkeit nach. Hier waren bestimmt noch keine Radreisenden, da sie alle am Anfang etwas hilflos wirken. Schliesslich können wir an einem überdachten Flur das Zelt aufbauen. Glücklich darüber machen wir uns sofort an die Arbeit, da es mittlerweile auch richtig kühl wird. Nach ein paar Minuten kommt die Tochter zu uns und sagt, dass es hier zu kalt wäre und wir können in ihrem Zimmer im Bett übernachten. Überwältigt von diesem Angebot sagen wir natürlich zu und so sitzen wir Minuten später mit der Familie zusammen am Tisch, trinken Kaffee und essen getoastete Brote mit selbstgemachtem Käse. Alle sind sehr neugierig und wollen so einiges über uns und die Tour wissen. Ein schöner Abend mit sehr netten Leuten, dessen Ausgang mit einer Dusche mit Heisswasser aus natürlicher Quelle gekrönt wird. Hier in Papallacta gibt es Thermalbäder – somit ist Warmwasser hier kein Problem.
72km , 6:21Std., 1.791hm
Samstag, 02.04.2011: Papallacta- Tumbaco (15km vor Quito) , bewölkt bis sonnig, 8 – 25Grad
Mit Frühstück im Bauch werden wir herzlich verabschiedet und wir starten zum letzten Anstieg vor Quito – einem über 4.070m hohen Pass. Und das wird richtig hart,zumal wir richtig kaputt sind von den vergangenen Tagen in Ecuador. Im kleinsten Gang strampeln wir einen schier endlosen Anstieg hoch. Bei Jennie tut es richtig weh, teilweise muss geschoben werden. Leider ist auch relativ viel Verkehr bzw. gibts keinen „sicheren“ Seitenstreifen für uns.
Interessanterweise finden wir hier in dieser Höhe und dem demensprechenden Klima (viel Nebel. Kühl, feucht) eine Vielzahl von Blumen. Alles um uns herum ist grün und farbigbunt. Nach ca. 2 1/2Stunden und fast 20km und 1.000hm am Stück sind wir endlich oben. Geschafft!!! Jetzt soll es bis Tumbaco bzw. Quito nur noch bergab gehen. Und wir rollen los. Es wird wieder wärmer und nach weiteren 35km sind wir endlich in Tumbaco. Wir rufen bei Santiago an, hier können wir die nächsten Tage bleiben. Santiago bzw. seine Familie hat seit 20Jahren ein Casa de Ciclista (in etwa so wie Warmshowers, was wir zum Beispiel in Cuenca hatten). Wir werden sehr nett empfangen bekommen sogar ein Zimmer, brauchen unser „regenmüdes“ Zelt nicht aufbauen. Am Abend gönnen wir uns nach den Strapazen der letzten Wochen – allein in Ecuador in weniger als 3Wochen 1.140km und 21.600Höhenmetern in 16-Fahrtagen mit nur 3 Tagen Pause!! Ein bis zwei Pausentage seien uns hier gegönnt bis es weiter in Richtung Kolumbien geht…
58km , 4:05Std. , 1.033hm
